Warum ich bis heute lieber zum Flipchart greife als zu PowerPoint

Vor einiger Zeit fragte mich ein Teilnehmer nach einem Workshop:

            „Warum zeichnest du alles live? Du könntest die Folien doch vorher fertig vorbereiten.“

Die Frage ist berechtigt. Und die Antwort lautet:

            „Das meiste bereite ich tatsächlich vor.“

Ich entwickle den Ablauf. Ich zeichne Überschriften. Ich entwerfe Templates. Ich überlege mir, wie zehn Gruppen gleichzeitig arbeiten können, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen.

Ein guter Workshop entsteht nicht aus Improvisation allein. Aber genau dort hört für mich die Vorbereitung auf. Denn irgendwann stellt jemand eine Frage, mit der ich nicht gerechnet habe. Jemand formuliert einen Gedanken, der plötzlich den ganzen Workshop verändert.

Oder zwei Teilnehmer widersprechen sich und gemeinsam entsteht eine Idee, die vorher niemand auf dem Schirm hatte. Dann nehme ich den Stift wieder in die Hand. Nicht, weil ich zeichnen möchte. Sondern weil dieser Gedanke jetzt sichtbar werden soll. Und genau darin liegt für mich der eigentliche Unterschied zu PowerPoint.

Natürlich könnte ich eine neue Folie öffnen. Ein Textfeld einfügen. Eine Grafik verschieben. Aber während ich durch Menüs klicke, passiert etwas Entscheidendes:

Die Aufmerksamkeit verschiebt sich. Nicht mehr zu den Menschen. Sondern zum Computer.

Beim Flipchart ist das anders. Jeder sieht denselben Strich entstehen. Jeder verfolgt denselben Gedanken. Und während ich zeichne, denke ich selbst weiter.

Oft verändert sich die Idee noch, während das Bild entsteht. Ein Pfeil kommt dazu. Ein Symbol verschwindet. Ein Teilnehmer ergänzt etwas. Das Bild wächst mit dem Gespräch. Ein Flipchart zeigt deshalb nicht nur Ergebnisse.

            Ein Flipchart zeigt, wie Denken entsteht.

Genau deshalb liebe ich diese Art zu arbeiten seit so vielen Jahren. Nicht weil Flipcharts schöner wären als PowerPoint. Sondern weil sie mich zwingen, bei den Menschen zu bleiben.

Was lerne ich daraus?

Viele glauben, man müsse besonders gut zeichnen können, um ein Flipchart zu benutzen. Das glaube ich überhaupt nicht.

            Ein paar einfache Symbole. Ein paar saubere Linien. Ein paar Tricks für Schrift, Figuren und  Farben.

Mehr braucht es oft gar nicht. Der eigentliche Mut besteht nicht darin, perfekt zu zeichnen. Sondern darin, den Stift überhaupt in die Hand zu nehmen. Denn in dem Moment, in dem Menschen beginnen, ihre Gedanken sichtbar zu machen, verändert sich etwas. Sie präsentieren nicht mehr nur Ergebnisse. Sie laden andere ein, mitzudenken.

Und genau deshalb heißt mein Onlinekurs seit vielen Jahren „Flipchartheld in 7 Tagen“.

Nicht weil aus jedem Teilnehmer ein Künstler werden soll.

Sondern weil ich Menschen zeigen möchte, wie schnell sie genügend Sicherheit gewinnen können, um ihre Ideen sichtbar zu machen.

Denn ein Flipchartheld zeichnet keine perfekten Bilder.

Er ist nicht der beste Zeichner – aber er hat den Mut, vor den Augen anderer zu denken.

Falls du genau dieses Selbstvertrauen entwickeln möchtest, findest du meinen Onlinekurs „Flipchartheld in 7 Tagen“ hier: https://humorinstitut.smile2.de/flipchartheld-in-einer-woche