Das Beste an meinem neuen Job als Kunsterzieher: Es geht nicht um mich!

Und das ist erstaunlich entspannend.
Fast erholsam.
Als Kunststudent ging es ständig um die eigene Position.
Um das eigene Ego. Um Stil, Handschrift, Unverwechselbarkeit.
Da ich als Kunststudent nachts Taxi fuhr, malte ich tagsüber Taxibilder.
Das wurde dann mein Markenzeichen.
Und doch hörten die Fragen nie auf:
Was ist das Besondere an meinen Arbeiten?
Wie entwickle ich meinen Stil weiter?
Wie finde ich den richtigen Galeristen, ohne mich anzubiedern?
Geht das überhaupt?
Im Kunstunterricht ist das plötzlich anders.
Hier geht es ausschließlich um die Schüler.
Um ihre Neugier. Ihre Fragen. Ihre Unsicherheit.
Nicht: Was kann ich?
Sondern: Wie wecke ich deren Interesse an der eigenen Kreativität?
Und wie halte ich diese Neugier lebendig?
Was wollen sie wirklich können und ausdrücken
jenseits von Noten und Erwartungen?
Wow! Dieser Perspektivwechsel tut so gut!
Es ist wie das Eintauchen in ein Lavendel-Schaumbad!
Als Visualisierer und Illustrator stelle ich meine Kunst in den Dienst anderer.
Das liegt mir total! Ich übersetze Gedanken, Prozesse, Gespräche.
Das funktioniert für mich deutlich besser, als mich bei Kunstsammlern und Galeristen um Aufmerksamkeit zu bemühen.
Und trotzdem:
Auch diese Arbeit muss ich jeden Tag neu verkaufen.
Mich erklären. Mich positionieren. Mich sichtbar machen.
Seufz. Das ist anstrengend.
Nicht dramatisch, aber dauerhaft.
Vielleicht ist genau das der Unterschied:
Im Unterricht darf ich vergessen, im Markt muss ich bestehen.
Beides hat seinen Platz.
Aber ich merke, wie wohltuend es ist, wenn der Fokus nicht ständig auf mir liegt, sondern auf dem Prozess, dem Gegenüber, dem Entstehen.
Mich lässt das mit einer offenen Frage zurück:
Wie viel Raum bräuchten wir für gute Arbeit, wenn wir weniger Energie in Selbstbehauptung und mehr in echtes Gestalten stecken dürften?
Ich bin neugierig:
Wo erlebt ihr Arbeit als Befreiung und wo als permanente Selbstvermarktung?


