Mein erstes Mobiltelefon – von 1969!

Reichweite: Wohnzimmer bis Küche.
Apps: Fantasie, Geduld, Gespräche mit niemandem.
Datenschutz: absolut.
Akku: unendlich.
Es war aus Plastik. Hatte Räder. Und wenn man es hinter sich herzog, klingelte nichts und ich hatte es überall dabei.

Trotzdem habe ich stundenlang telefoniert. Mit der Wand. Mit mir selbst. Mit der Zukunft. Mit Neil Armstrong auf dem Mond.
Heute tragen Kinder Geräte in der Hosentasche,
mit mehr Rechenleistung als die Raumfahrt der 60er.
Aber wir vermeiden ihren Einsatz im Unterricht, legen es auf den Tisch. Display nach unten. Stumm geschaltet. Pädagogisch entschärft.

Ich finde das sinnvoll. Einerseits.
Handys nerven. Sie lenken ab. Sie saugen Aufmerksamkeit.
Und man kann damit im Unterricht hervorragend nichts lernen.

Andererseits frage ich mich: Kann man damit auch Kunst machen? Oder über Kunst streiten?

Ein paar ganz einfache Gedanken. Ohne Methodenfeuerwerk. Auf die Voicebox gesprochen.
Wenn das Handy kein Lernziel ist, ist es vielleicht ein Werkzeug? Wie ein Bleistift? Nur mit mehr Akkuproblemen?
Wenn ein Verbot dem Handy Macht verleiht, verleiht ihm die Nutzungserlaubnis mehr Banailität?

Ein Handy kann beobachten. Fotografieren, filmen, sammeln. Dinge festhalten, die sonst durch den Schulalltag rauschen.
Ein Handy kann vergleichen. Original und Kopie. Wirklichkeit und Filter. Bild und Behauptung.
Ein Handy kann zeigen, dass Bilder nie unschuldig sind.
Ausschnitt. Perspektive. Auswahl. Drei Klicks, und schon ist die Wahrheit anders.

Heute haben schon Fünftklässler Smartphones.
High-End-Kameras. KI-Filter. Internetzugang zur gesamten Menschheitsgeschichte.

Mein Plastiktelefon von damals hatte keine Kamera. Kein Internet. Keine Likes.
Aber es hatte etwas Entscheidendes: Zeit.

Und Erwachsene ohne Hubschrauber, die mich einfach spielen ließen, weil sie mit sich selbst oder ihrer Scheidung beschäftigt waren.

Vielleicht brauchen Schüler keine Handyverbote.
Sondern Erwachsene, die wissen, warum man ein Werkzeug benutzt
und wann man es auch wieder weglegt.

Mein erstes Mobiltelefon konnte keine Wirklichkeit auswählen, zuschneiden oder verzerren. Es konnte keine Aufmerksamkeit binden. Es hatte Räder.
Und trotzdem bin ich damit erstaunlich weit gekommen.